Die Weißen Busse
2016 nahm uns eine Sonderausstellung im Nationalmuseum mit auf die schicksalsschwere Reise, die Christian Helmer Jørgensen während des Krieges von der Deportation bis zur Heimkehr erlebte.
Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs überquerten dänische und schwedische Busfahrer, Krankenschwestern, Ärzte und Mitglieder des Civilkorps, der freiwilligen zivilen Miliz, in weißgestrichenen Bussen die Grenze zu dem letzten Land auf Erden, in dem jemand sein wollte: Deutschland – freiwillig und unter Lebensgefahr.
Die Aktion wurde vom Roten Kreuz geleitet und holte 20.000 Menschen, die in KZ-Lager deportiert worden waren. Darunter 10.000 dänische und norwegische Polizisten, Grenzbeamte, Widerstandskämpfer, Kommunisten, »asoziale« Elemente, Juden und Roma. Entgegen der geltenden Ansicht handelte es sich bei dem ebenso großen Rest – ebenfalls 10.000 –, nicht um Skandinavier – die größte Gruppe waren Polen – und alle waren Menschen.
Im Zentrum der Ausstellung stand der Einsatz der Freiwilligen. Objekte, Fotos, Texte und Briefe – vergessene und unbekannte Stimmen kamen zu Wort und ergänzten die Geschichte der »Weißen Busse« um neue Aspekte. Es geht um Mitbürgerschaft – und Menschlichkeit ohne Grenzen.
Der szenische Aufbau erweckte die Geschichte zum Leben – von den Deportationen und dem Alltag in den KZ-Lagern bis zur Planung der Rettungsaktion und dem Aufbruch der Freiwilligen, der Fahrt durch Deutschland, und dem Jubel bei der Rückkehr nach Dänemark –, und das Publikum erlebte es mit den Augen der Gefangenen und der Freiwilligen. Es wurde mit den vielen Schwierigkeiten und Problemen der Freiwilligen konfrontiert.
Was brachte sie dazu, sich zu melden? Waren sie Helden oder Teil einer diskriminierenden Aktion, die die eigenen Leute rettete und erst am Ende ausländischen Gefangenen half? Wen rettet man, wenn man nicht alle retten kann? Und wie weit geht unsere Mitbürgerschaft und Mitmenschlichkeit?
Dänemarks einziger originaler Weißer Bus steht heute im Museum des Frøslev-Lagers, doch während der Ausstellung am 70. Jahrestag fuhr er wieder, und 175.000 Gäste mussten sich der Frage stellen: Was hättest du getan?
Zum ersten Mal überhaupt schwebte ein Weißer Bus in den Himmel. Der schwere Volvo-Bus aus dem Zweiten Weltkrieg wurde über das Dach des Nationalmuseums gehoben und im Egmontsaal abgesetzt. Es lässt sich keine bessere Symbolik zum siebzigjährigen Jubiläum der Rettungsaktion mit den Weißen Bussen vorstellen. Denn sie schickte der Himmel.