Deutschland im Nationalmuseum
Am 8. November 2019 öffneten sich die Tore des dänischen Nationalmuseums für eine große Deutschland-Ausstellung anlässlich des dreißigsten Jahrestages des Falls der Berliner Mauer und des dänisch-deutschen Freundschaftsjahres. Die Ausstellung vermittelte 600 Jahre deutsche Geschichte – Wissenschaft, Politik und Kultur – und sollte nicht nur die Voraussetzungen für das wiedervereinigte, demokratische Deutschland beim Fall der Mauer beschreiben, sondern die Grenzen nach Deutschland einreißen und die Mauer in unserem eigenen Bewusstsein einstürzen lassen, die uns viel zu lange mit Vorurteilen und Feindbildern von unserem Nachbarland getrennt hat.
Die Ausstellung wurde ursprünglich von Neil MacGregor auf der Grundlage seines Buches »Memories of a Nation« für das British Museum kuratiert, ein Buch, das die Sicht auf Deutschland ändern wollte – und er schrieb in einem Brief an Sportgoodsfonden über seine Beweggründe:
»It es important that there should be a deeper understanding of Germany – a real vindication – it seems to me that is a precondition of building the Europe that we all wish to see.«
Nichts könnte Sportgoodsfonden näher sein als diese Botschaft, und daher ergriff der Fonds die Initiative, die Ausstellung nach Dänemark zu holen, und finanzierte die Präsentation im Nationalmuseum. McGregors Buch wurde ins Dänische übersetzt und ist in Dänemark erschienen – und das Interesse an der Ausstellung und dem Buch war so groß, dass mehrere Auflagen gedruckt werden mussten. (Die deutsche Ausgabe erschien 2015 unter dem Titel »Deutschland – Erinnerungen einer Nation« im Verlag C.H. Beck).
Die Ausstellung zeigte nicht nur 600 Jahre Geschichte in Objekten von Gutenbergs Druckerpresse bis Volkswagen, Albrecht Dürer bis Bauhaus und deutsches Handwerk von der Meisterlehre bis zur Massenproduktion, sondern vermittelte Geschichte in Themen-Wochenenden mit Vorträgen und Diskussionen, Gesprächen und Filmen. Das Publikum wurde eingeladen, Kunst und Literatur, Philosophie, Wissenschaft und Politik des heutigen Deutschlands kennenzulernen.
Die Deutschland-Ausstellung wurde von Ihrer Majestät der Königin und dem deutschen Außenminister eröffnet, der die Bedeutung der Begegnung zwischen dem Persönlichen und dem Allgemeinen in der Geschichte in Worte fasste:
»Danken möchte ich natürlich auch der Sportgoods-Foundation, die diese Ausstellung ermöglicht hat und die sich seit Jahrzehnten für Aussöhnung und ein friedliches Zusammenleben in Europa und der Welt einsetzt. Dass Ihr Stifter, Christian Helmer Jørgensen, einst selbst deutsche Konzentrationslager überlebt hat, macht uns umso dankbarer – und das Geschenk dieser Ausstellung umso kostbarer.«
In der Eröffnungsrede lieferte der deutsche Schriftsteller Daniel Kehlmann seine eigene Version, was es für ihn heißt, Deutscher zu sein, dann wurde die Ausstellung viele Monate von Dänen mit ihrer eigenen Geschichte besucht, die sich als deutscher erwies, als die meisten es sich vorgestellt hatten – so ergab sich ein neues Bewusstsein und Verständnis von uns selbst.
Denn unsere Geschichte und Kultur sind eng verbunden. Es liegt an uns, die Mauer in unserem Bewusstsein einzureißen, die uns getrennt hat und die uns viel zu lange von uns selbst getrennt hat. Es liegt an uns, sich voneinander bereichern zu lassen, statt uns zu bekriegen.