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Der Traum von Europa

Auf 19 Reisen von 2015 bis 2020 hat Jacob Ehrbahn Flüchtlinge und Migranten mit einem Traum von einem besseren Leben in Europa begleitet und fotografiert. In ihrem Kampf, die Ländergrenzen zu überqueren, enden sie häufig in einem gesetzlosen Niemandsland.

Die Zeit ist gekommen, Bilanz zu ziehen, und Sportgoodsfonden unterstützt das Erscheinen des Fotobandes: »Drømmen om Europa« (Der Traum von Europa), der mit Jacob Ehrbahns eigenen Worten hin und wieder an den Vorhof der Hölle erinnert:

»Ich habe Menschen vor den lybischen Gewässern im Mittelmeer ertrinken sehen. Ich habe Familien gesehen, die weinend zusammenbrachen oder vor Freude jubelten, wenn sie in billigen Gummibooten am steinigen Strand von Lesbos ankamen. Ich habe die überfüllten Aufnahmezentren gesehen und die interimistischen Dschungellager auf Samos und Lesbos, wo die Menschen mit ihren Kindern unter unmenschlichen Verhältnissen leben.

Ich habe Menschen in verlassenen Industriegebäuden zu ihrem Gott beten sehen. Ich habe junge Männer und Jungen gesehen, die in Lastwagen krochen oder sich unter Eisenbahnsitzen versteckten, um Grenzen in Europa zu überqueren. Ich habe gesehen, wie Familien mit Kindern unter dem umstrittenen Grenzzaun aus Nato-Stacheldraht zwischen Ungarn und Serbien hindurchkrochen. Ich habe Menschenschmuggler gesehen, die sich für fast nichts gut bezahlen lassen. Ich habe dänisch- und schwedischsprechende junge Männer mit erloschenen Träumen gesehen, die nach drei Jahren aus den skandinavischen Ländern ausgewiesen wurden und nun unter Autobahnbrücken in Paris leben. Ich habe Menschen gesehen, die von Grenzbeamten verprügelt wurden. Ich habe wirklich sehr viel gesehen.«

Nun können wir es auch sehen – und zum »Traum von Europa« Stellung beziehen, der nicht nur ein Traum ist, sondern für viele: ein Albtraum.

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